Glück als Schulfach ist nicht utopisch, sondern vernünftig

Über 20 Jahre schon ist Dr. Eckart von Hirschhausen auf allen Medienkanälen präsent. Mit über fünf Millionen verkauften Büchern gehört er aber auch zu den erfolgreichsten Autoren Deutschlands. Neben seinen vielfältigen beruflichen Aktivitäten, engagiert sich der Arzt und Wissenschaftsjournalist ehrenamtlich und mit seiner Stiftung HUMOR HILFT HEILEN. Diese fördert etwa Aktionen für mehr gesundes Lachen im Krankenhaus und unterstützt Forschungs- und Schulprojekte – neuerdings auch mit dem Bildungsprogramm „Gemeinsam leben lernen“.

© Frank Eidel

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Ihre Stiftung HUMOR HILFT HEILEN wird auch auf der Bildungsmesse in Köln präsent sein. Hier sind die Zielgruppen vor allem Vermittler von Bildung. Warum interessiert Sie gerade diese Gruppe besonders?

Je länger ich mich mit Gesundheit beschäftige, desto klarer wird mir, wie wichtig dafür Bildung und Vorbilder sind. Alle Ärzte zusammen können nicht so viel bewegen wie alle Lehrer! Dabei kommt das Wort „Doktor“ von „docere“ – also lehren. Prävention beginnt im Kindergarten, mit Freude an Bewegung, mit Genuss an gutem Essen und vor allem: mit einem guten Draht zu sich und anderen Menschen. Durch mein Buch „Glück kommt selten allein“ lernte ich viel über die Fortschritte in der positiven Psychologie und fragte mich ständig: Warum hab ich nicht vieles davon schon in der Schule gelernt, was man wirklich braucht im Leben?

Seit mehreren Jahren engagieren Sie sich mit dem Programm „Gemeinsam leben lernen“ für die Themen soziales Lernen, Gesundheit und Glück. Sie haben auf der Homepage auch kostenfreies Unterrichtsmaterial und ein Online-Forum. Wie verbreitet sind diese Themen inzwischen?

Mit „Gemeinsam leben lernen“ ging ich den Weg, gute Ideen möglichst vielen Lehrern zur Verfügung stellen zu wollen. Es gibt mit dem Schlagwort „Glück als Schulfach“ auch viele andere Initiativen, die zum Teil aber eine lange und teure Weiterbildung voraussetzen, was für hochmotivierte Multiplikatoren super ist, aber eben nicht für diejenigen, die erst einmal „schnuppern“ wollen. Mit Günther Hennig habe ich jemanden gefunden, der seit Jahrzehnten in der Schulentwicklung tätig ist und gerne seine Erfahrung weiter gibt. Die spannende Frage ist jetzt, wie es gelingt, dass dieser Funke in die nächste Generation überspringt.

Ist die Idee „Glück als Schulfach“ heute weniger kurios als vor zehn Jahren?

Das klingt erst einmal erstaunlich, aber warum eigentlich? Wir gehen selbstverständlich davon aus, dass man Sprachen erlernen kann, sowie Mathe, Geschichte und Biologie. Wenn man unter Glück etwa Genießen-Können, Achtsamkeit, Stärkenorientierung, Beziehungspflege, Widerstandfähigkeit in Krisen und Sinnsuche versteht, dann ist die Antwort ein klares „Ja“. Das können Sie lernen – und es lohnt sich.  Wie viele Wege kennen Sie, sich aus schlechter Laune zu befreien? Wenn ich mich und meinen Körper besser kenne, muss ich weder auf Glotze oder Schokoriegel zurückgreifen, dann bewege ich mich, kümmere mich um andere oder habe gelernt, negative Gedankenschleifen zu unterbrechen. Wenn man sich vor Augen hält, was Übergewicht, Rückenschmerzen und Depression volkswirtschaftlich und seelisch an Kosten verursacht, ist es höchste Zeit, mehr Gesundheit und Psychologie an dem Ort zu lehren, wo wir am schnellsten lernen: in der Schule. Wenn ich überlege, was von meinem Schulwissen ich tatsächlich im Leben jemals wieder gebraucht habe, und was nicht, wirkt die Forderung, Glück als Schulfach einzuführen, nicht utopisch, sondern sehr vernünftig.

Für Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung setzen sich auch „Klasse 2000“ und „Lions Quest“ ein. Wie können Lehrer aus der Vielfalt der Angebote das passende für sich finden?

Tatsächlich tummeln sich viele Anbieter, große und kleine, und die wenigsten Programme sind gut auf ihre langfristige Wirksamkeit untersucht. Das ist auch sehr aufwendig und schwierig, und daher ist man als jemand, der Spendengeld ausgibt auch in der Zwickmühle, ob das Geld in die Beforschung oder direkt in die Projekte fließen soll. Hinter den Kulissen versuche ich, die verschiedenen Initiatoren kennen zu lernen und nach Berührungspunkten und Gemeinsamkeiten zu schauen. Denn kein einzelnes Programm und kein einzelner Anbieter wird alleine die Mammutaufgabe lösen, in ganz Deutschland in allen Klassen qualifiziert soziales Lernen und Persönlichkeitsbildung voran zu bringen. Ich sehe da auch einen Bedarf für die Schulbehörden und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, alle an einen Tisch zu holen und das Beste für Schüler und Lehrer herauszufinden. Und: bei aller öffentlichen Unterstützung und knappen Ressourcen hängt es wie so oft an besonders engagierten Menschen, die eine ganze Schule mitreißen können.

Sie haben 2008 die Stiftung HUMOR HILFT HEILEN gegründet. Was konnten Sie bislang erreichen?

Die Stiftung gibt es erst seit acht Jahren, aber wir haben mit einem sehr kleinen Team bereits unglaublich viel in 100 Projekten erreicht und über eine Million Euro für mehr heilsame Stimmung im Krankenhaus bewegt. Ursprünglich ging es los mit den Clowns auf Kinderstationen. Inzwischen gehen die Clowns auch viel zu alten Menschen, die sich unglaublich über Besuch freuen und gerade durch Musik sehr gut zu erreichen sind. Inzwischen machen wir große Forschungsprojekte zum Beispiel zu einer Humorintervention nach Schlaganfall bei Erwachsenen, oder zu der Frage was passiert, wenn Pflegekräfte selber in Workshops ihren eigenen Humor wieder entdecken und einsetzen.  Dazu machen wir gerade Schulungen mit über 2000 Pflegenden und begleiten wissenschaftlich, wie sich dadurch die Stimmung und die Gesundheit verändern. Eine Errungenschaft ist auch die öffentliche Wahrnehmung. Anfangs wurden wir belächelt, jetzt werde ich als Eröffnungsredner für Ärztekongresse gebucht und arbeite mit Ministerien und anderen Stiftungen zusammen. Vielleicht stehen unsere größten Erfolge uns noch bevor, dass es zum Beispiel Humor auf Krankenschein gibt. Und positive Psychologie ein selbstverständlicher Inhalt in allen Schulformen wird. Das möchte ich noch erleben!

Waren Sie selbst ein guter Schüler und wie sind Sie durch den Schulbetrieb geprägt?

Ja, mir fiel die Schule relativ leicht. Mich interessierten schon damals der Umgang mit Sprache und die Medizin. Und weil es das nicht als Fach gab, nahm ich Bio und Deutsch, als ich wählen konnte. Meine Mutter war sehr pädagogisch angehaucht, meine Schwester ist sogar Lehrerin geworden, ich war Schulsprecher und auf eine Art ja auch bis heute ein Lernender und Lehrender.

Was wünschen Sie den Schülern heute?

Gute Lehrer! Ich hatte davon so einige, an die ich mich noch heute gut erinnern kann. Und das, obwohl meine Grundschulzeit ja schon über 35 Jahre her ist. Kaum zu glauben, denn sie sind mir immer noch sehr präsent, nicht so sehr, was sie mir beigebracht haben, sondern durch ihre Persönlichkeit. Und von jedem Lehrer weiß ich noch, ob er Humor hatte – oder nicht. Die wichtigste Unterrichtsvorbereitung für Lehrer ist also, sich kurz vor dem Betreten des Klassenraums klar zu machen: „Ich präge gerade Hirne für ein Leben und ich freue mich, meine Begeisterung für mein Fach zu multiplizieren.“ Und wer bei dem Gedanken nicht anfängt zu lächeln, sollte gleich wieder ins Lehrerzimmer zurück …

 

Über Eckart von Hirschhausen

© Frank Eidel

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Dr. Eckart von Hirschhausen (Jahrgang 1967) studierte Medizin und Wissenschaftsjournalismus in Berlin, London und Heidelberg. Seine Spezialität: medizinische Inhalte auf humorvolle Art und Weise zu vermitteln und gesundes Lachen mit nachhaltigen Botschaften zu verbinden. Seit über 20 Jahren ist er als Komiker, Autor und Moderator in den Medien und auf allen großen Bühnen Deutschlands unterwegs. Durch die Bücher „Arzt-Deutsch“, „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“,„Glück kommt selten allein…“ und „Wohin geht die Liebe, wenn sie durch den Magen durch ist“ wurde er mit über 5 Millionen Auflage einer der erfolgreichsten Autoren Deutschlands. Aktuell tourt er mit seinem Bühnenprogramm „Wunderheiler – Wie sich das Unerklärliche erklärt“. In der ARD moderiert Eckart von Hirschhausen die Wissensshows „Frag doch mal die Maus“ und „Hirschhausens Quiz des Menschen“.

Hinter den Kulissen engagiert sich Eckart von Hirschhausen mit seiner Stiftung HUMOR HILFT HEILEN für mehr gesundes Lachen im Krankenhaus, Forschungs- und Schulprojekten. Er ist ein gefragter Redner und Impulsgeber für Kongresse und Tagungen und hat einen Lehrauftrag für Sprache der Medizin. Als Botschafter und Beirat ist er für die „Deutsche Krebshilfe“, die „Deutsche Bahn Stiftung“,  „Stiftung Deutsche Depressionshilfe“, die Mehrgenerationenhäuser und „Phineo“ tätig und moderiert den „Ort der Begegnung“ für ehrenamtlich Engagierte beim Bürgerfest des Bundespräsidenten.

Mehr über Eckart von Hirschhausen erfahren Sie unter: www.hirschhausen.com und www.humorhilftheilen.de