Literatur Garage: Ausgabe 02 / 2016

LG_0216_CoverEin bisschen mehr Achtsamkeit

Gerne meide ich die Fußgängerzonen der Metropolen. Drängeleien, Schubsereien und sogar Rempeleien sind hier an der Tagesordnung. Niemand mag das. Der Grund dafür ist weniger die Enge als die Ignoranz und mangelhafte Wahrnehmung der Menschen. Oftmals kann ich nur noch über diese geringe Aufmerksamkeit staunen.

Letztlich ist es deshalb kein Wunder, dass so vielen Menschen die Empathie für ihre Mitmenschen fehlt. Sie sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie noch auf andere achten könnten. Kein Wunder, dass sie so wenig vom Leben verstehen; dass es ihnen nicht gelingt, sich in den anderen hineinzuversetzen. Das könnte alles ganz gleich sein, wenn dies nicht auch schlimme gesellschaftliche Folgen hätte. Denn so wenig es dem Unachtsamen gelingt, andere zu achten, gelingt es ihm eben auch nicht, sich in andere hineinzuversetzen. Statt sich etwa in das Leid von Flüchtlingen zu versetzen, wird von „Wirtschaftsschmarotzern“ gesprochen. Und was Letzteres bedeutet, ist dem Unachtsamen auch nicht klar. Schon die ersten Menschen, die von Afrika nach Asien flohen, waren wirtschaftlich motiviert und nicht politisch. Schließlich wollten sie nicht verhungern. Wäre ihnen das nicht gelungen, gäbe es uns heute nicht. So ging es hunderttausende von Jahren.

Es ist das Verdienst vieler Autoren und Verlage, uns auf brennende Themen nicht nur hinzuweisen, sondern uns auch tiefen Einblick in die Umstände zu geben. Sie helfen uns, den Blick zu schulen, aufmerksamer zu sein und Empathie zu lernen. Auch das leistet Literatur. Vielen Dank dafür!

In diesem Sinne haben wir auch diesmal viele interessante Bücher für Sie gelesen und vorgestellt. Ich wünsche Ihnen viel Freude damit.

Gernot Körner

Chefredakteur, Literatur Garage

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