Mit Ameisen und Regenwürmern auf Augenhöhe

978-3-8339-0707-4-Krueger-Der-Ameisenjunge-Der-Tag-an-dem-ich-aus-org[1]Die Idee von kleinen Menschen oder dass wir schrumpfen können, wird immer wieder gerne in Literatur und Film verwendet. Schon 1949 entdeckte in einem Buch von Astrid Lindgren, Bertil den kleinen Nils-Karlsson Däumling unter seinem Bett. 1963 erschien „der kleine Mann und die kleine Miss“ von Erich Kästner. Im Kino hieß es 1989: „Liebling ich habe die Kinder geschrumpft.“ Und im Januar 2018 soll der Film „Downsizing“ in die Kinos kommen. Die Menschen sollen als Mittel gegen die Überbevölkerung einfach schrumpfen. Aber warum fasziniert das Thema so? Ist es die Idee, die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten? Die Chance liegt vielleicht darin, viele Dinge im Detail beobachten und erkennen zu können, die wir sonst nicht wahrnehmen können oder wollen.

In „Der Ameisenjunge“ von Thomas Krüger gerät Ben eher versehentlich in die Schrumpfmaschine seines Physiklehrers Doktor Yogeshwar. Er wollte sich vor dem wütenden Alex, einem Klassenkameraden, retten. Er versteckt sich in einem Schrank und plötzlich ist er nur noch so groß wie Andy die Ameise, die ihn freundlich begrüßt. Dafür ist Dr. Yogeshwar verschwunden. Szuzi die Wespe, Olaf die Raupe und ein Regenwurm mit Doktortitel aus dem Terrarium helfen Ben den verschwundenen Lehrer zu suchen. Dabei entdecken sie noch weitere fiese Taten des Trio Krawallo, das aus Alexander, Paul und Moritz besteht.

Die Handlung beginnt scheinbar harmlos, an einem normalen Schultag. Ben ist ein liebenswerter, etwas verträumter Forscher, der an einer besonderen Maschine bastelt, die staubsaugen, Rasen mähen, Hund ausführen und übersetzten kann. Ben hat ein gutes Herz, er mag Tiere und setzt sich für seine Freunde ein. Sein Lieblingsfach ist Physik und er bewundert seinen Physiklehrer, der noch genialer und noch verträumter ist, als Ben selbst. Das Trio Krawallo bildet den Gegensatz dazu, die Jungs lügen und betrügen, am Ende entführen sie noch einen Klassenkameraden. Das Gemeine ist, zunächst kommen sie damit durch.

Die Geschichte ist in sich logisch durchkonstruiert, obwohl eine große Portion Fantasie darin steckt. Auf Insektenaugenhöhe erfahren die Leser gemeinsam mit Ben die Welt aus einer Perspektive, die viele Schwierigkeiten mit sich bringt. Trotzdem wissen sich die Tiere zu helfen und ziehen gemeinsam mit Ben los, den Lehrer zu finden. Die Geschichte wird eher Kinder bzw. Jungen ansprechen, denen die sich für Maschinen und Roboter interessieren und die gerne Regenwürmer, Raupen oder sonstige Krabbeltiere unter die Lupe nehmen. Auf den ersten 11 Seiten stellt der Autor 11 Personen vor, was eine gründliche Lektüre und etwas Konzentration erfordert, um weiter folgen zu können. Es dauert eine Weile, bis der Leser alle Personen im Kopf hat und bis klar ist, wohin die Handlung führen soll. Aber dann steigt die Spannung und es kommt zu einem überraschenden Ende.

Anja Lusch

Bibliographie:

Thomas Krüger
Der Ameisenjunge – Der Tag an dem ich aus Versehen in einer Schrumpfmaschine landete
Band 1
Baumhaus Verlag
Begunden, 252 Seiten
Ab 10 Jahren
12,90 € [D]
ISBN 978-3-8339-0707-4

Der Autor:

Thomas Krüger, geboren 1962 in Ostwestfalen, war Journalist für Tageszeitungen und Magazine; heute ist er Autor und Verleger von Hörbüchern und Kinderbüchern, auch bekannt unter dem Pseudonym „Pinkus Tulim“. Er lebt mit seiner Familie in Bergisch Gladbach. „Die Fänger des Himmels“, sein erster Fantasyroman, hat ihn einige Jahre beschäftigt; hier bringt er sein ganzes erzählerisches Können für junge Leser und Erwachsene zur Geltung.