Rosa Parks: Meine Geschichte

Dieser schmale Band erzählt die Lebensgeschichte von Rosa Parks – einem Namen, der vielen Menschen heute kaum noch etwas sagt. Dabei hallte ihr Wirken in den 1950er- und 1960er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts in politisch interessierten Kreisen deutlich nach. War Rosa Parks doch eine der bekanntesten Wegbereiterinnen des Widerstands gegen die Rassentrennung in den Südstaaten der USA.

Als sie sich im Dezember 1955 weigerte, ihren Sitzplatz im Bus für einen weißen Fahrgast freizugeben, wurde sie verhaftet und zu einer Geldstrafe verurteilt. Ihr Protest löste den Busboykott von Montgomery aus und wurde zu einem wichtigen Meilenstein der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Im weiteren Verlauf gelangte der Fall vor höhere Gerichtsinstanzen. Rosa Parks hatte sich nach Absprache mit ihren Anwälten bewusst auf einen Rechtsstreit eingelassen, um die diskriminierenden Gesetze auf juristischem Weg zu Fall zu bringen.

Rosa Parks war damit eine Vorreiterin im Kampf gegen die Rassentrennung. Diese beschränkte sich keineswegs auf öffentliche Verkehrsmittel, sondern betraf ebenso Schulen und Trinkwasserbrunnen. Selbst die freie Partnerwahl wurde durch rassistische Gesetze und gesellschaftliche Normen eingeschränkt.

Ein Leben im Strudel der Geschichte

Rosa Parks schildert ihr Leben in einem eher sachlichen, stellenweise an einen Schulaufsatz erinnernden Aufzählungsstil. Dabei begegnen wir einer bescheidenen Frau, die, ohne es ursprünglich darauf anzulegen, in den Strudel der Geschichte geriet. Leider gelingt es ihrem autobiografischen Bericht nur bedingt, die Dynamik und Dramatik dieser Lebensgeschichte spürbar zu machen. Die Lektüre wirkt dadurch stellenweise trocken und wenig mitreißend.

Ältere Leserinnen und Leser werden sich gewiss noch an jene Zeit erinnern, in der Martin Luther King Jr. eine herausragende Rolle im Kampf um die Gleichberechtigung spielte. Die damaligen Ereignisse lassen sich auch mit der westdeutschen Studenten- und Protestbewegung von 1968 in Verbindung bringen.

Kaum vorstellbar erscheint heute, dass Schwarze Menschen damals rechtlich und gesellschaftlich als Menschen zweiter Klasse behandelt wurden und der Ku-Klux-Klan vielerorts weitgehend ungehindert Gewalt ausüben konnte. Rosa Parks berichtet jedoch auch von mutigen weißen Menschen, die sich für die Gleichberechtigung aller einsetzten.

Ihr ausgeprägter Gerechtigkeitssinn ließ sie trotz aller Widerstände weiterkämpfen. Die Anstrengungen von Rosa Parks und unzähligen Mitstreiterinnen und Mitstreitern trugen schließlich dazu bei, entscheidende Fortschritte zu erreichen. Dazu gehörten der Civil Rights Act von 1964 und der Voting Rights Act von 1965, die unter Präsident Lyndon B. Johnson verabschiedet wurden.

Die Ermordung Martin Luther Kings im April 1968 löste weltweit Entsetzen und Empörung aus. Sie führte zugleich vor Augen, wie weit der Weg zu einer Gesellschaft ohne Rassismus und Diskriminierung noch immer war.

 

Almut Scheller-Mahmoud

cover-rosa-parks meine geschichteBibliografie:

Rosa Parks
Meine Geschichte
Autobiografie, mit Jim Haskins
Aus dem Englischen von Sonja Bonin
Hardcover
192 Seiten
ISBN: 978-3-293-00641-6
€ 24.00
Unionsverlag